Der Sound des “Schneetreiben” – Teil I

The hills are alive with the sound of music?

Nicht ganz. Dennoch ist die musikalische Vertonung eines Hörspiels nicht unerheblich dafür verantwortlich, wie es auf den Hörer wirkt. Auch wenn die Musik nie die Grundaussage einer Geschichte ändern kann, hat sie massiven Eindruck auf die gesamte Grundstimmung. Ich habe 2011 für “meinTag” mit mehreren Musikstilen experimentiert und mich dann ganz bewusst für den bedrohlichen ElektronikSound entschieden, den Jan-Peter Pflug so fantastisch komponiert hat. Damals wie heute finde ich, dass dieser Sound herrlich die latente Bedrohlichkeit unterstreicht, die von einigen Charakteren ausgeht.  Hätte ich mich für einen leichteren Klang entschieden, der eher die Komik der Geschichte unterstreicht, hätte das zwar auch funktioniert, aber beim Hören ganz andere Stimmungen hervorgerufen – bei gleichem Ausgang der Handlung.

Für die musikalische Vertonung von “Schneetreiben” habe ich mir etwas ganz anderes ausgedacht: Ich bin immer ganz neidisch auf die Kollegen beim Hörfunk, die für ihre Musikauswahl keinerlei Einschränkung kennen und auf einen reichhaltigen Fundus an klassischer und populärer Musik zurückgreifen können. Dies ist aber in der Form im kommerziellen Hörspiel aus den verschiedensten Gründen unmöglich. Ich wollte aber diesmal unbedingt eine gewisse Varianz in Musik und deren Stil. Und da kam ich auf die Idee, die geballte Kreativität des Internets zu nutzen. Auf SOUNDCLOUD, wo ich auch die hystereo-Trailer eingestellt habe, tummeln sich Künstler aus der ganzen Welt und stellen ihre Kompositionen aus. Ich habe schon mehrere Abende damit verbracht, mich von Benutzer zu Benutzer zu klicken und mich inspirieren zu lassen. So war es kein Wunder, dass ich innerhalb kürzester Zeit den Ton für “Schneetreiben” gefunden hatte. Also habe ich die entsprechenden Musiker angeschrieben und sie um ihre Genehmigung gebeten, ihre Musik im Hörspiel verwenden zu dürfen. Natürlich gab es auch Absagen, aber die meisten waren sehr angetan von der Idee und haben ihre Erlaubnis dementsprechend bereitwillig gegeben. So kann ich euch nun (nicht ohne Stolz) den Soundtrack zum “Schneetreiben” präsentieren!

Iam Nothingilistic: Inside you by ben turbin

Den Anfang macht Iam Nothingilistic mit seiner Version eines Ben Turbin-Songs. “Inside you” hat genau diese beschwingte Aufbruchstimmung, die ich mir für den Beginn meines Hörspiels gedacht habe. Und nebenbei birgt der Titel eine interessante Doppeldeutigkeit, die dem Hauptcharakter Jonas Fassbender sehr gefallen würde!

Oddrun Eikli & Massimo Berizzi: In the air

Die Harmonie und Friedlichkeit, die dieses Lied ausstrahlt, passt perfekt in die Szenen, in denen Vivian und Jonas ihre Beziehung reflektieren. Gleichzeitig geht von “In the air” auch etwas sehr Überirdisches und Sinnliches aus, was den entsprechenden Szenen die nötige Tiefe verleiht.

Chimpotle: Untitled Lounge

“Untitled Lounge” ist zu Beginn wahnsinnig sexy. Das passt perfekt zu Vivians Absichten in der einsamen Hütte im finnischen Nirgendwo. Allerdings kippt die Stimmung des Titels dann in eine leichte Melancholie, was die Achterbahnfahrt der Beziehung zu Jonas sehr schön unterstreicht. Es ist diese Ambivalenz, die mich an Charakteren am meisten reizen und da ist es nur logisch, dass ich dies in der Musik ebenfalls finden möchte.

Rudy jr. & the LovePirates: Stark als Inhalt

Rudy jr. zum Ersten. Nachdem er und seine LovePirates mir schon bei “meinTag” die freundliche Genehmigung zur Nutzung von “Stupid Chick Opus 8″ gegeben hatten, war es mir ein Anliegen, diese hörenswerte Band wieder einzubauen. Ich kann mir vorstellen, dass Rudy jr. nicht ganz so begeistert vom Kontext in “meinTag” war, wo der Charakter Martin Haas den Song mit einem lakonischen “Die Mucke nervt!” quittiert und daraufhin abschaltet. Diesmal aber bringt “Stark als Inhalt” die Sache ganz schön in Fahrt und lässt es richtig krachen!

Ben Turbin: So nah wie heute

Mit “So nah wie heute” gönne ich mir ein bisschen Romantik. Der Text untermauert das in der vorherigen Szene Gehörte wunderbar. Ausserdem hat das Lied so eine schöne brüchige naive Stimmung, die der Beziehungsgeschichte noch einmal eine andere Dimension verleiht. Dann bedeutet das Lied auch den Einbau einer Pause, bevor es “ans Eingemachte” geht. So wie sich im Theater nach dem 2. Akt der Vorhang schließt, und man die bisherigen Geschehnisse verarbeiten kann.

Rudy jr. & the LovePirates: Fade away

Rudy jr. zum Zweiten.

Für mich ist Rudy jr. das perfekte Beispiel für Musik, der man anhört, dass dahinter ein Mensch, ein Charakter, steht. So verwundert es nicht, dass ich dieses “Schlaf-Lied” für das Ende des Hörspiels benutze, nachdem sich sozusagen allesamt zur Ruhe gebettet haben. “Fade away” entlässt den Hörer in das Bewusstsein, dass alles gut werden wird, in welcher Form auch immer. Und so sollte das Hörspiel enden! ;-)

So umspannt der Soundtrack zum “Schneetreiben” fast den gesamten Erdball und eine schöne Klaviatur an Stimmungen und Atmosphären. Ich bin sehr froh und dankbar, dass diese Künstler mein Hörspiel veredeln!

Danke an Alle!

Beste Grüße,

Ralf von hystereo

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